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Rupert Walser: Text zur Austellung Painted in Munich, 
19. Mai – 28. Juli 2006, Galerie Rupert Walser

 

Sie sind in der Nachfolge von Leibl und Hölzel, Lenbach und Stuck, Klee und Albers, Marc, Münther, Kandinsky, Werefkin..., unbedingt auch Hans Hofmann! Dann Glette, Coester, Geiger, Butz, Troeger, Fruhtrunk... Das sind einige Generationen von Malern, die in München studiert, gelehrt, und vor allem gemalt haben und München zu einer Malereistadt von Weltrang gemacht haben.

Wir zeigen 7 Zeitgenossen, die diese Reihe fortsetzen.

Haben sie was gemeinsam? Diese 7 höchstverschiedenen Bilder von 7 auch vom Alter recht verschiedenen Personen aus zum Teil sehr verschiedenen Orten der Welt (zumindest aus drei Erdteilen) bzw. Deutschlands? Gemeinsames außer der Tatsache, dass sie alle in München gemalt worden sind? Und warum in München?

 
     

Marcia Hafif (*1929), die New Yorkerin aus Californien - sie hat drei wichtige Werkgruppen in München gemalt. Am wichtigsten vielleicht ihre wohl ersten "Enamel on wood"-Gemälde (1989), das wahrscheinlich härteste was in der Kunst je gemalt wurde: Anstreicherlack aus dem Laden um die Ecke auf ein Holzbrett. Peng, aus. Dabei haben selbst diese einfarbigen Tafeln einen Hauch von Gefühl, durch ihre sanfte Spiegelung, und sie haben schöne Namen, z.B. "Enzianblau"; stand so auf der Farbdose. Dann 1990 die "Seagarden Series", die sicher lyrischsten Bilder, die Hafif je gemalt hat. Zarteste rosa/weiß Töne mit impressionistisch flirrendem Pinselstrich. Diese beiden Werkgruppen wurden in unserer Galerie, jeweils während der Sommerpause im August, gemalt. Die dritte Gruppe, "Acrylic Glaze Paintings" (1999), dann in einem Atelier in Haidhausen. Sie basiert auf Max Doerner und ist, als ganzes gesehen, schlicht monochromer Pop. So schräge und zugleich knallige Farben hat noch niemand in München gemalt.

 
     
Alfons Lachauer (*1944), seinen Wohnort Stephanskirchen (bei Rosenheim) zählen wir jetzt mal zu "greater Munich". Die Linie vom russischem Konstruktivismus über amerikanischen Minimal verbindet dieser Erzkolorist in seinen hyperpuren Bildtafeln mit der Eleganz, Zartheit und Wucht des oberbayerischen und italienischen Barock.  
     
Jerry Zeniuk (*1945), Ukrainer, in Deutschland geboren, aber authentischer New Yorker. War ein Star der Analytischen Malerei und der documenta 6. Die Münchner haben (außer dem Lenbachhaus) lange nicht mitbekommen, was Ihnen da ins Netz gegangen ist. Jetzt liebt er München, das Licht und das Land, hat hier u.a. - wie wohl keiner vor oder nach ihm - eine große Serie äußerst radikaler Aquarelle "zum ganzen Dachau", wie er sagt, gemalt. Oder das große, powervolle "Altar Painting" für eine Münchner Kapelle, das allerdings eben das Museum Ludwig nach Köln weggekauft hat. Oder die 40 großen Edelstahltafeln in Großhadern, die kaum jemand kennt. Er hat nach München schon allerhand an Erfahrung und Entwicklung mitgebracht, ist aber hier zu ungeahnter Größe gereift, rotzfrech, knallhart und höchst raffiniert.  
     
Norbert Prangenberg (*1949), pures Kölsch, durchaus von Beuys und dem Rheinland angestossen und grundgeprägt, was sich besonders in seinem zeichnerischen Werk zeigt, geht er mit seinen opulenten Figuren, große, oft sehr farbige Keramiken, und seinen oft tief leuchtenden Pigmentbildern in den Raum, in einen Malereikosmos, malerisch bis wörtlich; letzteres auch mit dem in dieser Ausstellung gezeigten neuen Ölbild.  
     
Uli Zwerenz (*1958), als einziger in München geboren, dann aber viel in der Welt unterwegs gewesen. Und trotzdem der vielleicht Münchnerischste, wenn man an Kandinsky, Hofmann, Spur usw. denkt. Und trotzdem unzweifelhaft eigen und neu.  
     
Thomas Bechinger (*1960), vom Bodensee über London und Düsseldorf nach München gekommen. Es sind hauptsächlich Industriepigmente und es ist mehr die Wand als die Bildtafel sein Feld. Und doch ist es veritable Malerei.  
     
Claudia Shneider (*1961), aus Johannesburg, ist zunächst, wie nicht wenige, wegen Ernst Jünger von weit her nach München gekommen. Hat hier erst vor einigen Jahren auf Malerei umgesattelt. Insofern blutjung reitet sie diese auch entsprechend frisch, frech und frei, ohne Sattel und Zügel, aber als wäre sie drauf geboren. Sie hat zu dieser Ausstellung, die anfangs als Beitrag zur Fußball WM konzipiert war, ein visionäres Bild geliefert:
"Welt Tasse - a good buy"
 
     
Was ist diesen 7 Künstlern, diesen 7 Bildern gemeinsam? Schau ma mal. Vielleicht ein erster Antwortversuch: es handelt sich bei allen in erster Linie um Malerei. Und warum in München? Das wäre wohl in Düsseldorf oder Köln, Hamburg oder Berlin nicht so möglich. Aber eigentlich ist es Glück.          
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