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Zu Kaminsky
(Text für Open Art-Katalog 98)

"Nicht mehr wissen, wo vorne und hinten ist." Damit bezeichnet man hierzulande eine extreme Stresssituation. (Hier passt mal die neue Rechtschreibung ausgesprochen gut!)In der Malerei ist das eine "Conditio sine qua non" für ein gutes Gemälde - und das Gegenteil eine für ein schlechtes. Es mag zwar anspruchslosere Kunstbetrachter begeistern, welche Tiefe der (schlechte, weil darauf spekulierende) Maler erzeugt hat. Der gute Maler versucht zu vermeiden, daß ihm das Bild "abhaut". Er versucht, das Bild zu "halten" durch seine malerischen Mittel: Farbauftrag, Materialität, Transparenz, Farbton, Formen, deren Ort und Größe... Er ist bestrebt, solch einen Bildraum herzustellen und gleichzeitig aufzuheben, ihn an die Bildfläche zu binden. Also einen andauernden, harmonischen Stresszustand herzustellen. Das macht Thomas Kaminsky. Und das ist Malerei. Und alles andere ist alles andere.

Thomas Kaminsky, 1945 in Dresden geboren, studierte in Berlin bei Hann Trier, lebt seit 1978 in Köln. 1998 fand eine Übersichtsausstellungen in der Neuen Galerie, Kassel und im Von der Heydt-Museum, Wuppertal statt. Vom 24 Oktober bis 3. Januar ‘99 wird sie noch in der Städtischen Galerie Villa Zanders, Bergisch Gladbach gezeigt. Dazu ist ein wunderbares Katalogbuch erschienen. Daß er dieser Tage die Deutsche Botschaft in Peking mit acht grossen Bildern ausstatten darf, lässt hoffen, daß auch "höhere Mächte" wieder gute Malerei zu schätzen wissen. Dann zieht er um nach Wien.

R.W.

 

 

 

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