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Rupert Walser: Text zur Austellung 2004


Sind denn das da noch Bilder, denen Pinselstrich,
Konturen, Komposition, ja selbst einigermaßen benennbare Farben fehlen;
Zeichnungen, die den gerichteten Strich, die planende Linie verweigern, untergraben?
Der alte Hunger wird nicht mehr gestillt.

Nicht mehr Antibild, Endbild – eher Unbild könnte man nennen, was da daher kommt.
Unfarben diese Farben und unbeabsichtigt besonders die Zeichnungen, wie versehentlich entstanden aus Resten, mehr oder weniger farbigem Dreck. Bildunwürdiges, Niedriges wie von „Schmutzmaler“ Peraikos, Unwichtiges, Unbedeutendes wie Hintergründe alter Portraits haben hier eine zeitgenössische Dimension gefunden.
Und doch sind das dann wieder Bilder und Zeichnun-gen - wir bleiben dabei, unsere arme Sprache will es so - die offenbar so etwas wie schön oder wenigstens interessant sind. Die Arbeiten von Baumkötter tauchen trotz ihrer weiterhin bescheidenen Größe und verhaltenen Lautstärke zunehmend in brisanten Sammlungen und Zusammenhängen auf. Präzise und tiefe Schnitte am Patienten zeitigen neue Erkenntnisse über das System, über alte Symptome wie Licht und Raum und verblüffende Koinzidenzen von Linearem und Malerischem. (Für uns mit ein Grund in dieser Ausstellung erstmals Bilder und Zeichnungen in direkter Nachbarschaft zu zeigen.) Da wird nicht mehr martialisch theatralisch mit der mittlerweile zum Mainstream stumpfgetrampelten Rasierklinge gefuchtelt, da operiert einer viel infamer mit dem Laser mitten in unserem Hirn herum, kappt Kontakte, verschmilzt neue. Wir sehen nicht mehr hinaus.

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