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MARKUS ZEHENTBAUER in:
Süddeutsche Zeitung vom 21. April 2005

 

Des Bildes reinste Seele

Drei Münchner Galerien feiern die
gegenstandslose Malerei

Wie begehrenswert derzeit die Kitsch-Kätzchen und Retro-Nackten der "Leipzig School" auf den internationalen Kunstmessen auch sein mögen - in Münchner Galerien sucht man sie vergeblich. Das hat seine Gründe, und vielleicht sollte man darüber nicht enttäuscht sein. Denn auch hier gibt es reichlich Malerei zu sehen, eine Malerei allerdings, die ihren Reiz zumeist nicht aus Nostalgie und neuer Romantik zieht, sondern ganz aus sich selbst heraus: aus der Leuchtkraft der Farben, aus dem Pinselduktus, der Materialität und der Spannung zwischen Form und Grund. Jerry Zeniuk zum Beispiel ist ein Meister darin, ungegenständliche Malerei so lebendig erscheinen zu lassen, als wäre sie gerade erst erfunden worden Und das, obwohl er in seiner zwölften Ausstellung bei Rupert Walser drei Bilder zeigt, auf die er nichts als vier Farbpunkte gemalt hat - in Rot, Grün, Blau und Gelb. Von Regeln, Rastern und Farbsystemen hält der Akademieprofessor wenig, ohne aber dem Zufall das Feld zu überlassen. Nein, es hat eine fast beängstigende Souveränität, wie er die Punkte auf die ungrundierte Leinwand setzt und die Farben austariert, und dennoch wirkt es so spontan und frei. Das Runde passt hier wirklich gut ins Eckige und wird zusammengehalten von grauen Flecken in der Mitte - die Summe aller Farben im Bild und eine Art Signatur (Fraunhoferstrasse 19, bis 4. Juni).

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