back to TEXTS - CONTENT
 

 

Rupert Walser zur Ausstellung "Malheur" von Uli Zwerenz, 10.11. - 16.12.2006



Uli Zwerenz, Malheur - das ist keine Berufsbezeichnung fuer einen Kuenstler aus Kalau. Nein, der Maler Uli Zwerenz ist einfach einer, der in die weite Welt der Kunst hinauszieht, um das Uenglueck zu suchen. Sein Glueck versuchen - ist es das nicht, was alle machen, aus der Kindheit, durch die Jugend hinausziehen...? Versuchen , ist damit nicht eigentlich ein moeglicher Verlust, ein Auf's-Spiel-Setzen gemeint?
Also vielmehr - das Unglueck suchen?

Malheur ist in unserem Sprachgebrauch nicht die große Katastrophe, eher ein Mißgeschick, das man, zwar haende-ringend - quelle malheur! - beklagt, aber trotzdem auch schaetzt. Es ist etwas passiert, das das Leben, mich veraendert hat. Fuer Kinder und Jugendliche gibt es nichts besseres, als Uengluecke einigermaßen zu ueberstehen. Die AElteren suchen es dann noch im Urlaub, im Lotto, an der Boerse, oder in der Kunst.

Nun ist Zwerenz ganz sicher nicht einer, der in virtuoser Jugendbuchillustratorenmanier der Kunstwelt die großen raetselhaften, abenteuerlichen Geheimnisse hinpottert, die es durchzustehen, zu verstehen und entschluesseln gilt.

Es ist, als wuerde der gute alte Alois Riegl, sich mal wieder im Grabe umdrehend, daran erinnern, daß der Inhalt den Beschauer - von dem eigentlichen Bildkuenstlerischen im Kunstwerk, das ist die Erscheinung der Dinge als Form und Farbe in Ebene oder Raum ablenkt.

Da streicht, streichelt oder maltraetiert der Maler seine Materie, die Farbe. Und aus jedem Pinselstrich entsteht Form: Figur-, Gestaltartiges, Pfade, Plaetze, Dickicht, Lichtungen... Das Neben- und Uebereinanderlagern der Arbeitsschritte, das mal deckend nur kleine Bereiche von Darunterliegendem, Vorherigem stehenlaesst, durchlaesst, vorlaesst oder wegen Duennheit, Flockigkeit der Farbmaterie oder borstigem, zehrenden Pinselstrich transparent Frueheres, Hinteres, Tieferes durchscheinen laesst, das Geschichtete bildet das Bild, erzaehlt seine Geschichte.

Der raumgewohnten, raumsuechtigen Wahrnehmung bietet sich immer wieder ein vermeintlich Hinteres, ein Tiefenraum an, der dann von einem dummen Nachbarfleck wieder gestoert, sprich: in die ebene Realitaet zurueckgeholt wird. Oder es klappt mal die eine oder andere Flaeche wegen ihrer perspektivischer Form in den Raum, wird aber als unmoeglich rasch wieder zurueckgeklappt.

So bedaechtig und erfahren Zwerenz in seinem eigenartigen Farbklang aus duester gluehendem Ernst und mediterraner Leggeressa das Bild aufbaut, so lustvoll laesst er Fehler, Fallen, Ungluecke zu, hat seine Freude am Knistern und Knirschen im Gebaelk, laesst das Ding gleich einem Baukloetzchenturm zusammenkrachen, schaut mit kindlicher Begeisterung zu und hilft auch noch mit.

Quelle malheur! (Was fuer ein Maler!)

back to TEXTS - CONTENT