go to THEORY CONTENT (more texts about other artists)
back to LEO KORNBRUST (more pictures)
 
 

Rupert Walser: OPEN ART Text zum 70sten, 1999

Neue Skulpturen von Leo Kornbrust

Leo Kornbrust war - u.a. mit Michael Croissant und Herbert Peters - in den 50er Jahren Student und Meisterschüler von Toni Stadler in München. So kommt seine Arbeit von der menschlichen Figur und vom Torso.

Auch wenn sie sich in den 60er Jahren zunächst abstrahierend, dann später völlig frei, manchmal geometrisierend entwickelt hat, kann man selbst in den heutigen Arbeiten menschlich Wesentliches erkennen bzw. erfahren.

So verkörpern seine wandartigen Stelen mit dem Generaltitel “Zum Thema menschliche Figur: Behandlung und Problematik der inneren Linie” sicher das immerwährenden bildhauerischen Problem oder Thema: Gestalt, Haltung, Figur und Sockel, positiver und negativer Raum, Material, Oberfläche “Haut”, Äußeres und Inneres...

Ein zweiter Bereich mit dem Obertitel “Zum Thema menschliche Figur: Oganischer Bereich” liess gurken- und schlangenfömige Gebilde, quallen- oder eierartige u.a. Formen entstehen, die sich einerseits unerfassbar, andererseits aber sehr handschmeichlerisch, oft mit kaum Auflagefläche wackelig oder fast zum Schweben abhebend präsentieren.

Der dritte Bereich “Zum Thema menschliche Figur: Kopfbereich” ergab rationale, geometrische Körper, Untersuchungen zu Kugel und Kuben. Als weitestgetriebene Gruppe sind da Säulen oder Würfel mit eingravierten Texten - oft von seiner Frau, der Schriftstellerin Felicitas Frischmuth.

Große Schriftsäulen von Kornbrust stehen in München an der Kreuzung Thalkirchner/Brudermühlstraße und in der Berlinerstraße in Schwabing. Am bekanntesten ist wohl sein schwarzer Granitkubus mit Texten; das Mahnmal für die Opfer des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus (1996) im Hofgarten.

Ab 1978 war er Professor  für Bildhauerei in Verbindung mit Architektur an der hiesigen Kunstakademie. Hat dort so einige Generationen von jungen Künstlern im Bereich zwischen Tradition und völliger Freiheit sich entwickeln geholfen.

Kornbrusts Lebensprojekt steht und entwickelt sich immerfort in seiner Heimat Saarland um seinen Heimatort Sankt Wendel: Die “Straße der Skulpturen”, die seit über 25 Jahren große Skulpturen von vielen internationalen Künstlern entstehen lässt. Dafür arbeitet und kämpft Leo Kornbrust unermüdlich mit und gegen Politiker und Publikum.
Diese Straße der Skulpturen ist eine Hommage an den von ihm höchstgeschätzten und geliebten Otto Freundlich, der in den dreißiger Jahren von einer Straße der Skulpturen träumte, von einer “ voie de la fraternité et solidarité humaine”.

Wir zeigen in unserer Jubiläumsausstellung - Leo Kornbrust ist soeben 70 geworden - drei größere ganz neue Arbeiten, jeweils eine aus den oben genannten Hauptarbeitsbereichen:
Eine Schriftsäule aus Impala-Granit (1999, 221 x 15 x 15,5 cm, mit einem Text von Felicitas Frischmuth), eine quallenartige Form aus Carrara Marmor (1999, 21 x 136 x 140 cm) sowie eine Innere Linie aus Basaltlava (1999, 197 x 0,3 - 30 x 111 cm).
Daneben drei kleinere Arbeiten: ein Siebeneck im Kubus aus schwarzem Granit (1999, 25 x 25 x 25 cm), einen kleiner flachen Torso (1960, Bronze, H 39 cm) und eine organische Form (1975, Eisenguß, 13 x 26 x 16cm).

Der Künstler ist nur zum Eröffnungsabend anwesend.
 
Momentan findet eine große Werkschau von Kornbrust (zusammen mit dem Maler Alfons Lachauer) im Museum Sankt Wendel statt. Dazu ist ein Werkverzeichnis aller Skulpturen (DM 30,-) erschienen.

Zum 70sten
10.9. - 23.10.1999