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  Rupert Walser
Leo Kornbrust zum 75sten – Arbeiten aus 50 Jahren

 

   Zweimal war er etwas länger in München, in den 50er Jahren als Student bei Toni Stadler und zwanzig Jahre später nochmal als Professor an der gleichen Akademie. Da ist diese Stadt ihm doch so ans Herz gewachsen, daß er im heimischen fernen St. Wendel heute noch seine Abendzeitung, aus der Distanz schmunzelnd, liest.
    Ein bißchen französisch ist dieser Saarländer (wie der Münchner ja auch) gerne. Doch ist ganz Europa seine Heimat, dessen Wiederfindungsprozess er, der als Kind noch an der Waffe ausgebildet worden war, nach dem Studium, in den 60er und 70er Jahren, vom Prager Frühling bis zur Nelkenrevolution in Portugal, hautnah erfahren hat und subtil in seine Arbeit Eingang gefunden hat. Und dann die ferneren Quellen, als er später weiter seine Herkunft, die der “Leute vom Stein”, in Ägypten suchte und fand oder in Japan, wo im Friedenspark in Kawasaki eine große “Innere Linie” aus schwarzem Granit von ihm steht.
    Vielleicht aus diesem langen Suchen und Erleben in diesen Räumen und eben diesem Zeitraum, und dem darin immer wieder sich Auseinandersetzen mit dem uralten, aber genauso knallhart jetzigen und gnadenlos ehrlichen Medium Stein, kommt es, daß in Kornbrusts Werk, das ohne Zweifel auch heute noch auf den Torso rekurriert, sich doch auch die Überwindung dieses so wichtigen wie erschreckenden Topos der Moderne abzeichnet.
     Als “Kunst im Übergang” hat Günter Metken im Hinblick auf Stadt, Skulptur und Natur Kornbrusts Werk einmal analysiert. Und es wirkt so selbstverständlich wie es verblüffend ist, wie Romantisches und Rationales, Geometrisches und Organisches, Figuratives und Abstraktes hier zusammengeht oder diese Vermählung von Schrift und Stein, eigentlich ein uraltes Paar, in den wunderbaren Kollaborationen über die Jahrzehnte mit seiner Frau, der Lyrikerin Felicitas Frischmut.
    Diese Kunst des Zusammenbringens hat er auch in München geübt, an der Akademie, der immer gleichen, aber in seiner Zeit doch auch etwas anderen, mit den Studenten, den Kollegen, den Ministerialen. Und in der Stadt, in der er einige Zeichen, zurückhaltend wie deutlich, gesetzt hat; am bekanntesten das Mahnmal für die Opfer des Widerstands gegen den Nationalsozialismus.
    Und ebenso gelassen wie energisch arbeitet er an der Erweiterung der von ihm seit den 70er Jahren vorangetriebenen “Straße der Skulpturen” im Saarland zur “Straße des Friedens” die, basierend auf einen Vorschlag Otto Freundlichs, ein von Skulpturen gesäumter Weg durch Europa, von Westen nach Osten, von Paris nach Moskau, als Zeichen des Friedens und der Völkerverständigung werden soll.
    In unseren bisherigen Austellungen von Leo Kornbrust haben wir jeweils neue, mitunter auch sehr große, Skulpturen aus den 80er und 90er Jahren gezeigt. So werden auch jetzt wieder ganz Neue zu sehen sein, aber auch Ältere, zurück bis 1954.

Zum 75sten
10.9. - 23.10.2004