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"pinky-blacky-browny-white"

Ich habe viel Spaß bei der Arbeit, da ich oft überrascht werde durch das,
was ich male und dessen Ursprung. Ich weiß, dass nichts zufällig ist – alles
ist miteinander verbunden. Ich glaube, dass unsere Einzigartigkeit bestimmt
ist durch unsere Art, Informationen zu sortieren. Bei mir sind Wörter und
Phrasen das Resultat dieser Synthese: Sie durchziehen mein ganzes Leben und
treten als meine Titel hervor. Manchmal entziehen sie sich mir, sind
nirgends auffindbar. Dann treffe ich unverhofft auf ganz viele von ihnen,
als warteten sie nur so auf mich. Nach einem kurzen Wiedererkennungsgruß,
mache ich mich wieder an die Arbeit: mein Titel und ich in den Startlöchern.

Das folgende Zitat über das Werk von Wladimir Malevich beflügelt meine
Phantasie: „Er malt nicht so sehr Bilder, sondern ist mit einer breiten
Palette von Dingen beschäftigt, von Friedensbruch an öffentlichen Orten
bishin zum Ausstatten des Kosmos“.

Ich liebe den Zwischenraum und den Augenblick an dem nichts sicher ist,
nichts klar ist – einen Moment des Schwebens vor dem Fall, dem Geräusch, dem
Verstehen... der Verbindung, des Begreifens, des Erfassens. Es gibt einen
Zwischenraum, eine Leere, ein Luftbläschen, wo alles noch offen ist, nichts
ist festgelegt, nichts ist sicher, nichts ist unumkehrbar. Dort, in dieser
„Entscheidenden Lücke“, möchte ich Ohr, Auge und Phantasie des Zuhörers/
Betrachters offen halten, wach halten. Und ich möchte den Augenblick der
Erwartung und der Unsicherheit strecken, sie/ihn im Ungewissen lassen, wohin
es geht.

Claudia Shneider

 

* Aus dem Artikel “The true Malevich“ von Andrei Kovalev für die Zeitschrift Artchronicka.

 

aus dem Katalog "pinky-blacky-browny-white", München, 2004