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Jedes Bild eine Geschichte. Von Claudia Shneider gibt es viele Geschichten.
Aus Südafrica, wo sie geboren und aufgewachsen ist, von ihrer Familie, die aus
der ganzen Welt irgendwie dorthingekommen ist und sich irgendwie auch
wieder in die ganze Welt verstreut hat. Und ihrer Wahlverwandtschaft, die
anscheinend aus fast allen Menschen in der ganzen Welt besteht. Dabei sind das immer ganz eigene, besondere Menschen, denen etwas ganz eigenes, kleines,
besonderes passiert ist. Tja, und dazu kommen dann noch die Dinge - auf der ganzen Welt.
Geschichten erzählt Claudia Shneider gern. Da mischen sich dann auch noch die Sprachen, Englisch, Deutsch mit Africaans oder Japans.

Die Bilder hinter, vor, zu, aus diesen Geschichten sind aber Bilder. Sozusagen
100-prozentige Töchter, würde man in der Geschäftswelt wohl dazu sagen.
Völlig eigenständig, völlig unabhängig, ja sogar mit der Neigung, ihre Herkunft vergessen zu lassen oder gar zu verheimlichen.

Was Claudia Shneider, die bei Hermann Jünger in München Goldschmiedin
studiert hat, da seit einigen Jahren macht, ist atem- und spuckeberaubend.
Anfangs mit Tusche oder Aquarell auf Papier - das stellten wir vor drei Jahren
in ihrer ersten Einzelausstellung aus - etwa seitdem auch auf Leinwand.

Das ist alles ganz normale, ja traditionelle Malerei und gleichzeitig frech, frisch, frei wie so leicht nichts.
Der Gegenstand, das Motiv wird einfach platzfüllend in die Mitte gesetzt – fertig. Das Motiv ist die Komposition. Vorher wird eine Grundierung aufgepinselt – dünn, lässt die Leinwand sichtbar, verbindet Malerei und Träger, Bild und Grund.
Pinseln, besser kann man es nicht bezeichnen. Unverquält, mit traumwandlerischer Sicherheit malt da diese Pippi Langstrumpf so manche Großmeister des Pinselschwingens in ihrem verqueren Zwiespalt zwischen modischer Verweigerung und dochwollender Grandezza warmlächelnd an die Wand.

Und dann sind da noch diese Titel. Typisch Pippi spielt die Malerin mit den
Worten und Sprachen drauflos, mit der Titeltradition der Kunst, des Jazz, des
Kino... Und mit dem armen Betrachter und seinem hilflosen „was ist das“ oder „was soll das sein“, seiner Sehnsucht nach dem Aha, dem Kick oder wenigstens
einem Sahnehäubchen. Und sie gibt dem Affen Zucker. Das ist dann mal
geheimnisvoll, mal surreal, mal direkt, mal romantisch, mal frech, mal böse.
Da macht sich ein Menschenkind ein Bild von dieser komischen Welt und einen
lustigen Reim darauf, mit großer Ernsthaftigkeit.


Rupert Walser

aus dem Katalog "pinky-blacky-browny-white" München 2004