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Claudia Shneider – soutpiel
1. Juni – 26. Juli 2014

Wir freuen uns, die 5. Ausstellung der in Johannesburg und Berlin lebenden Künstlerin Claudia Shneider zeigen zu können. Ihre neuen Gemälde, Zeichnungen, Fotoarbeiten und 3-D-Arbeiten beschäftigen sich mit dem Hier- und Dasein in dieser Welt, in dieser Gesellschaft. Dabei ist der Fokus zwar auch sehr offen, aber besonders geprägt von ihren beiden Lebensorten Europa und Afrika.

Titel spielen in Shneiders Arbeit eine wichtige Rolle, so auch Ausstellungstitel. Showmaster oder Hands Up zitieren grelle Schlagwörter aus Kunst und Welt, erwecken böse wie spielerisch Vorstellungsfelder und Reflektionsräume, werden somit Teil der bildnerischen Arbeiten.

Soutpiel (von sout, salt + piel, penis), dieses Afrikaans-Wort bezeichnet Jemanden damit, der mit
einem Fuß in England und mit dem anderen in Südafrika steht, weswegen sein Penis in den salzigen
Ozean getaucht ist. So sehr damit kritisch und verachtend die problematische Rolle der Kolonialisten angesprochen wird, die heute mehr und mächtiger sind, und Claudia Shneider diese mit großen Arbeiten
wie Living and Dying in Afrika oder Chinese take-away oder kleinen wie Concrete Water eindrucksvoll thematisiert, interessiert sie wieder einmal auch, wunderbar ernst wie spielerisch, die Frage nach ihrer
Rolle als soutpiel, zumal als weisse Frau.

Zu den hinreißend lockeren wie präzisen, spielerischen wie tiefgehenden Pinselzeichnungen und Leinwandarbeiten kommen, zum Teil sehr große, eindrucksvolle wie auch leichte, poetische Skulpturen,
oft aus gefundenen, armen, "halbfertigen" Materialien. In jüngerer Zeit wurden das, typisch für sie, supersimple, freche, verspielte, zuweilen auch bissige 3-D-Collagen. Nicht zu vergessen Fotografien und kurze Video-Arbeiten. Allen Arbeiten eignet ein Changieren von Realismus zu Abstraktion und zurück, Gegenständlichkeit und ihre Aufhebung findet statt.

Claudia Shneider studierte in Stellenbosch und in München (bei Hermann Jünger), unterrichtete an der Universität in Stellenbosch, der Hope School in Johannesburg und der HdK, Berlin und stellt in vielen
Einzel- und Gruppenausstellungen in Europa und Südafrika aus. Sie gründete und kuratiert die jährliche Video-Messe Joburg Fringe in Johannesburg.

Rupert Walser, 2014